Woche 5: UX & UI Design – Der Unterschied, der Millionen wert ist
👋 Willkommen zurück zur Webdesign-Masterclass!
Schön, dass du wieder dabei bist! Wir sind jetzt in Woche 5 von 11 – genau in der Mitte unserer Reise.
Kurze Wiederholung der letzten Wochen:
In den ersten vier Wochen hast du ein solides Fundament aufgebaut: Du verstehst die drei Säulen Ästhetik, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit, kennst die Zusammenarbeit zwischen Design und Entwicklung, beherrschst zentrale Design-Bausteine und kannst responsive Websites für alle Geräte gestalten.
Diese Woche tauchen wir in eines der wichtigsten Themen überhaupt ein: UX und UI Design.
Stell dir vor: Du hast eine Website gebaut, die technisch perfekt ist. Schnell, responsive, visuell hochwertig. Aber Nutzer finden nicht, was sie suchen. Buttons führen an falsche Stellen, der Checkout verwirrt, die Navigation wirkt hübsch – aber nicht verständlich. Genau hier trennt sich gutes UI von starkem UX.
Am Ende dieser Woche wirst du:
- ✅ Verstehen, was UX wirklich bedeutet und wie datenbasiert UX-Arbeit ist
- ✅ Klar zwischen UX und UI unterscheiden können
- ✅ User Research, Personas und User Journeys praktisch einordnen
- ✅ Den Weg von Wireframes bis High-Fidelity-Mockups verstehen
- ✅ Usability-Testing strukturiert durchführen können
Bereit, den Unterschied zu verstehen, der über Erfolg und Misserfolg deiner Website entscheidet? Los geht's! 🚀
🎯 Was UX Design wirklich bedeutet
User Experience Design beschäftigt sich mit dem gesamten Erlebnis, das Menschen mit einem Produkt haben. Im Web geht es nicht nur um Optik, sondern um Klarheit, Orientierung, Effizienz und Vertrauen. Die Kernfrage lautet: Erreicht der Nutzer sein Ziel ohne Frustration?
UX ist keine "Bauchgefühl-Disziplin", sondern basiert auf Psychologie, Forschung, Datenanalyse und systematischem Testen. UX-Designer fragen nicht zuerst: "Was sieht gut aus?", sondern: "Wer nutzt das?", "Was brauchen diese Menschen?", "Wo scheitern sie heute?" und "Wie reduzieren wir Reibung auf ihrer gesamten Reise?"
Die zentralen UX-Bausteine
- User Research: Interviews, Umfragen, Analytics, Support-Auswertung
- Personas: datenbasierte, realistische Nutzerprofile statt Annahmen
- User Journeys: alle Schritte von Einstieg bis Ziel sichtbar machen
- Information Architecture: Inhalte logisch strukturieren und benennen
- Usability-Testing: echte Menschen echte Aufgaben erledigen lassen
- Accessibility: Nutzung für Menschen mit Einschränkungen mitdenken
Gutes UX ist oft unsichtbar: Nutzer kommen schnell ans Ziel und haben das Gefühl, die Website "funktioniert einfach". Schlechtes UX ist sofort spürbar: Unsicherheit, Suchaufwand, Fehler und Abbrüche.
🎨 Was UI Design ausmacht
UI Design ist die visuelle und interaktive Oberfläche deiner Website: Farben, Typografie, Buttons, Formulare, Abstände, Icons, Zustände und Mikro-Interaktionen. Während UX das Erlebnis plant, setzt UI dieses Erlebnis sichtbar und benutzbar um.
Gute UI-Entscheidungen sind nie nur Dekoration. Ein Button-Stil steuert Aufmerksamkeit, eine Typografie schafft Hierarchie, konsistente Abstände geben Struktur und Ruhe.
Wichtige UI-Elemente
- Visual Design: Farbwelt, Typografie, Bildsprache, Layout-Hierarchie
- Interaction Design: Hover, Active, Focus, Disabled, Feedback, Animation
- Design Systems: wiederverwendbare Komponenten mit klaren Regeln
- Responsive UI: unterschiedliche Interaktionsmuster auf Touch vs. Desktop
Professionelles UI ist systematisch: Jede Komponente wird in allen Zuständen gedacht. Genau diese Konsequenz macht Interfaces konsistent, lernbar und vertrauenswürdig.
🔄 Der Unterschied zwischen UX und UI
Kurz gesagt: UX entscheidet, wie etwas funktioniert. UI entscheidet, wie es aussieht und sich anfühlt. Beide greifen ineinander und sind nur gemeinsam wirklich stark.
Beispiel E-Commerce
UX-Perspektive: Nutzer brechen im Checkout ab. Lösung: weniger Schritte, klare Progress-Anzeige, Gast-Checkout, Zahlungsmethoden früher sichtbar.
UI-Perspektive: Wie sieht die Progress-Anzeige aus? Welche CTA-Farbe hat den besten Kontrast? Welche Fehlermeldungen sind klar und hilfreich?
In kleinen Teams vereinen oft "UX/UI Designer" beide Bereiche. In größeren Unternehmen sind Rollen meist spezialisiert. Unabhängig vom Setup gilt: Exzellente Ergebnisse entstehen, wenn UX und UI eng zusammenarbeiten.
🔍 User Research: Die Grundlage guter UX
Ohne echte Nutzerkenntnis designst du im Blindflug. User Research ersetzt Vermutungen durch belastbare Erkenntnisse.
Qualitativ vs. quantitativ
- Qualitativ: Interviews, Beobachtungen, Think-Aloud – liefert Motivation und Kontext
- Quantitativ: Analytics, Umfragen, Heatmaps – liefert Muster und Messbarkeit
Methoden, die du sofort nutzen kannst
- User Interviews mit offenen Fragen zu realem Verhalten
- Umfragen mit klaren, neutralen Antwortoptionen
- Analytics-Analyse: Absprünge, Pfade, Verweildauer
- Heatmaps & Session Recordings für reale Interaktionsmuster
Aus Research entstehen Personas und Customer Journeys, die Entscheidungen konkret machen. Wichtig: Achte auf Confirmation Bias und bleibe bewusst offen für Ergebnisse, die deinen Annahmen widersprechen.
📐 Der Design-Prozess: Von Wireframes zu High-Fidelity
- Low-Fidelity: schnelle Skizzen, Varianten testen, Struktur validieren
- Mid-Fidelity: klickbare Wireframes, realistischere Inhalte, erste Flows
- High-Fidelity: finale UI, echte Typografie, Bilder, Zustände, Mikro-Interaktionen
- Design System: Komponentenbibliothek für Konsistenz und Geschwindigkeit
- Handoff: klare Spezifikationen für Entwicklung und gemeinsame Klärung von Edge Cases
- Iteration: Launch, messen, verbessern, erneut testen
Der wichtigste Grundsatz: erst günstig lernen, dann teuer gestalten. Früh testen spart Zeit, Budget und vermeidet große Re-Designs kurz vor Launch.
🧪 Usability-Testing: Der Schlüssel zum Erfolg
Usability-Testing bedeutet: Du gibst echten Menschen konkrete Aufgaben und beobachtest, wie sie vorgehen. Nicht Meinungen stehen im Mittelpunkt, sondern Verhalten.
So testest du sinnvoll
- Gib klare Aufgaben statt allgemeiner Fragen
- Halte dich zurück und hilf nicht sofort
- Nutze Think-Aloud, wenn möglich
- Dokumentiere Friktionen, Fehlklicks, Abbrüche und Erwartungen
Ein bewährter Richtwert: Schon mit 5 Testpersonen entdeckst du viele zentrale Usability-Probleme. Mehrere kleine Testrunden mit Iteration sind oft wirkungsvoller als ein großer Einmal-Test.
Goldene Regel: Du testest nicht die Nutzer. Du testest dein Design.
🎯 Deine Wochenaufgabe (45 Minuten)
Übung 1: Usability-Problem finden (15 Min)
- Wähle eine Website (E-Commerce, lokales Unternehmen, SaaS, Blog/News).
- Definiere eine konkrete Nutzeraufgabe.
- Führe einen Selbst-Test durch und notiere Hindernisse.
- Dokumentiere das gravierendste Problem klar und konkret.
Problem-Dokumentation:
Website: ___________________________
Gefundenes Problem: ___________________________
Warum ist es ein Problem: ___________________________
Welche Nutzer betrifft es: ___________________________
Wie oft tritt es wahrscheinlich auf: ___________________________
Übung 2: Wireframe-Lösung skizzieren (15 Min)
- Skizziere den Ist-Zustand (Problem markieren).
- Skizziere 2–3 Lösungsansätze (Mobile + Desktop mitdenken).
- Wähle die beste Lösung und begründe sie.
Meine Lösung:
Hauptänderung: ___________________________
Warum besser: ___________________________
Für welche Nutzer besser: ___________________________
Mögliche Nachteile: ___________________________
Übung 3: Mini Usability-Test (15 Min)
- Teste mit einer echten Person aus deiner Zielgruppe.
- Gib eine konkrete Aufgabe (mit Kontext).
- Beobachte ohne einzugreifen und notiere Erkenntnisse.
- Stelle kurze Follow-up-Fragen zu kritischen Momenten.
Usability-Test-Protokoll:
Testperson: ___________________________
Website: ___________________________
Aufgabe: ___________________________
Top 3 Probleme:
1. ___________________________
2. ___________________________
3. ___________________________
Überraschende Erkenntnis: ___________________________
Wichtigste Verbesserung: ___________________________
💬 Community-Ecke
Teile deine Erkenntnisse in den Kommentaren:
- 1️⃣ Welches Usability-Problem hast du gefunden?
- 2️⃣ Was hat dich im Test am meisten überrascht?
- 3️⃣ Was war dein größter Aha-Moment bei UX vs. UI?
- 4️⃣ Welche Frage zu UX/UI willst du als Nächstes klären?
💡 Challenge: Poste Vorher/Nachher + deine Lösungsskizze. Die beste Analyse wird nächste Woche gefeatured! 🏆
📚 Bonus-Ressourcen zum Vertiefen
UX Grundlagen
- "Don't Make Me Think" – Steve Krug
- "The Design of Everyday Things" – Don Norman
- "100 Things Every Designer Needs to Know About People" – Susan Weinschenk
- Google UX Design Professional Certificate (Coursera)
- Interaction Design Foundation
UI & Visual Skills
- "Refactoring UI" – Adam Wathan & Steve Schoger
- Material Design, Human Interface Guidelines, Shopify Polaris, IBM Carbon, Atlassian Design System
- Dribbble und Behance als Inspiration – immer mit UX-Brille bewerten
User Research & Testing
- "Just Enough Research" – Erika Hall
- Nielsen Norman Group (NN/g)
- "Rocket Surgery Made Easy" – Steve Krug
- Tools: Maze, Lookback, Hotjar
Communities & Podcasts
- Designer News, r/userexperience
- UI Breakfast Podcast
- Design Better Podcast
🎉 Das war's für Woche 5!
Zusammenfassung in 3 Sätzen:
- 1️⃣ UX Design fokussiert das gesamte Erlebnis – von Research bis Testing.
- 2️⃣ UI Design übersetzt Konzepte in klare, attraktive und konsistente Interfaces.
- 3️⃣ Erst das Zusammenspiel aus UX und UI erzeugt Produkte, die überzeugen und konvertieren.
Du hast jetzt die UX/UI-Brille auf. Ab sofort siehst du Websites anders: Du erkennst Informationsarchitektur, Usability-Hürden, gute States, klare Hierarchien und echte Produktqualität.
📅 Vorschau: Nächste Woche
Woche 6: Webdesign-Tools – Figma, Adobe XD & Co. im Praxis-Einsatz
- Figma von Grund auf: Interface, Workflows, Best Practices
- Components, Auto-Layout und Variants
- Prototyping und Entwickler-Handoff
- Alternative Tools im Vergleich
Praktischer Fokus: Dein erstes vollständiges Design in Figma – von Wireframe bis High-Fidelity-Mockup.
✅ Wissens-Check: Hast du Woche 5 verstanden?
- [ ] Ich kann den Unterschied zwischen UX und UI erklären
- [ ] Ich verstehe, warum User Research wichtig ist
- [ ] Ich kenne qualitative und quantitative Research-Methoden
- [ ] Ich weiß, was Personas sind und wozu sie dienen
- [ ] Ich verstehe den Zweck von Wireframes
- [ ] Ich kann den Weg von Low- zu High-Fidelity erklären
- [ ] Ich habe ein Usability-Problem dokumentiert
- [ ] Ich habe eine Lösung skizziert
- [ ] Ich habe einen Mini-Usability-Test durchgeführt
- [ ] Ich verstehe, warum Tests mit echten Nutzern entscheidend sind
Auswertung:
- 8–10 Haken: Exzellent! Du hast UX/UI verinnerlicht 🎉
- 5–7 Haken: Sehr gut! Vervollständige die Übungen für maximalen Lerneffekt.
- 0–4 Haken: Lies die Kernsektionen erneut und setze die Übungen Schritt für Schritt um.
💭 Design-Weisheiten zum Abschluss
- 💬 "Good design is obvious. Great design is transparent." – Joe Sparano
- 💬 "A user interface is like a joke. If you have to explain it, it's not that good." – Martin LeBlanc
- 💬 "The best interface is no interface." – Golden Krishna
- 💬 "Usability is about people and how they understand and use things, not about technology." – Steve Krug
- 💬 "Design is not just what it looks like and feels like. Design is how it works." – Steve Jobs
Deine wichtigste Erkenntnis dieser Woche? Schreib sie auf: "UX ist ___, UI ist ___."
💪 Motivations-Boost
UX/UI kann am Anfang groß wirken: Research, Personas, Wireframes, Testing, Visual Design, Prototyping, Design Systems. Niemand muss alles sofort perfekt können.
Entscheidend ist ein solides Grundverständnis und kontinuierliche Praxis. Mit jedem Test, jedem Wireframe, jeder Iteration wächst dein Urteilsvermögen.
Bleib dran. Genau dadurch wirst du nicht nur schöne, sondern wirksame Websites bauen.
Bis nächsten Samstag um 10:00 Uhr! 🚀
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*Dieser Artikel ist Teil der 11-wöchigen Webdesign-Masterclass. Alle Inhalte sind kostenlos und werbefrei.*
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❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist wichtiger: UX oder UI Design?
Beides ist unverzichtbar. UX schafft Struktur und Nutzbarkeit, UI übersetzt diese in eine klare, vertrauenswürdige Oberfläche. Schwächelt einer der beiden Bereiche, leidet das Gesamtergebnis.
Kann eine Person sowohl UX als auch UI machen?
Ja. Besonders in kleineren Teams übernehmen Designer oft beide Felder. In größeren Organisationen sind die Rollen häufiger spezialisiert.
Brauche ich einen Psychologie-Hintergrund für UX?
Nein. Ein Grundverständnis von Wahrnehmung, Entscheidungsverhalten und kognitiver Belastung ist hilfreich und kann gezielt gelernt werden.
Wie viele Personen brauche ich für Usability-Tests?
Für qualitative Runden reichen oft fünf Testpersonen, wenn du iterativ testest und zwischen den Runden verbesserst.
Was ist der Unterschied zwischen Wireframes und Mockups?
Wireframes zeigen Struktur und Priorität. Mockups zeigen das visuelle Endbild inklusive Farben, Typografie und UI-Details.
Muss ich coden können für UX/UI?
Nein, aber technisches Grundverständnis hilft enorm bei realistischen Entscheidungen und besserer Zusammenarbeit mit Entwicklern.
Wie erstelle ich Personas ohne Nutzerdaten?
Starte mit Proto-Personas auf Basis von Markt- und Wettbewerbsanalyse und validiere sie anschließend mit realen Interviews und Nutzungsdaten.
Wie unterscheidet sich Mobile UX von Desktop UX?
Mobile UX braucht stärkere Priorisierung, größere Touch-Ziele und kontextbezogene Informationen. Es ist kein kleineres Desktop, sondern ein eigener Nutzungskontext.
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